Sonnabend, 30. Januar

Swing tanzen verboten

Text und Bild Dietlind Sannmann

Farbenprächtigen, energiegeladenen Jazz mit unverbrauchten Improvisationen des SwingWing-Quartetts von Arne Suter bot der Jazzabend im Cultimo am Sonnabend. Die Musiker sorgten für eine tolle Atmosphäre und nahmen das Publikum mit auf eine Reise in die 30er und 40er Jahre. Mit Arne Suter am Schlagzeug, Stefan Orendi, Klarinette, Frederik Feindt am Klavier und am Kontrabass Günter Köttgen präsentierten vier Musiker Jazz der vollendetsten Art auf der Cultimo-Bühne,

Swing im Stil des legendären Benny Goodman. Diese Musik war im Dritten Reich verpönt und verboten. Was die Nazis an moderner Musik zuließen ist noch heute in den damaligen Ufa-Filmen zu hören.

Der Swing zog sich wie ein roter Faden durch den Abend im Cultimo, wunderbar rund und ausgeglichen. Geboten wurde eine klangvolle, sanfte und doch energiegeladene Musik.

Abgerundet wurde der Abend durch Lars Lust, der aus dem Buch seines Vaters Gunter Lust „The Flat Foot Floogee - Swingheinis im Dritten Reich“ vorlas. Fasziniert lauschte das Publikum den Berichten aus dieser Zeit der Unterdrückung und Verfolgung. Lars Lust gab seinen Zuhörern einen Einblick in die Begeisterung und die damit verbundene Lebensfreude, die Jugendliche im NS-Staat trotz Verbots der amerikanischen Jazzmusik entgegenbrachten und las von ihrer Bereitschaft, zu rebellieren, Risiken einzugehen und dafür individuelle Freiheiten zu gewinnen. Lars Lust in seiner Moderation: „Die Geschichten sprechen für sich, es sind keine Geschichten mit erhobenen Zeigefinger.“

Das Konzept von Arne Suter und Lars Lust, diese wahren Geschichten mit der lebendigen Musik aus der Epoche zu begleiten, ist aufgegangen. Arne Suter über die Idee zu diesem Konzert: „Ich habe in Amerika die Entstehungsgeschichte des Swing recherchiert und wollte dann wissen, wie sich in Deutschland diese Musik, die mich persönlich so begeistert, durchgesetzt hat.“ Dabei ist Suter auf das an diesem Abend vorgestellte Buch von Gunter Lust gestoßen und in Gesprächen mit Lars Lust, dem Sohn des Autors ist dann die Idee zu diesem Konzert entstanden.

Die Zuhörer swingten spontan mit und Evergreens wie “Sweet Georgia Brown“ oder “I can´t give you anything but love“ beflügelten die Begeisterung.